Diskussionsforum Niederländisch für Deutsche – Deutsch für Niederländer

Trotz dem Regen oder trotz des Regens

Die deutschen Fälle sind nicht immer einfach zu lernen. Gestern habe ich meinen Kopf über dem Genitiv von ‘Regen’ in Zusammenhang mit ‘trotz’ zerbrochen. Zum Beispiel:

Weihnachtsmarkt Gießen: Trotz Regens viele Besucher.
Hier kann man auch sagen ‘Trotz des starken Regens viele Besucher’ > 2. Fall.

Aber, in Zeitungen und im Internet habe ich auch etwas anderes gefunden. Guck mal:

Trotz dem Regen brannte das Feuer hervorragend > 3. Fall.

Laut Schreibweise.org hängt der Genitiv / die Dativ vom Hauptwort ab:

  • Trotz [des] schlechten Wetters fuhr er mit dem Fahrrad (Hauptwort ist bekleidet)
  • Trotz Regen fuhr er mit dem Fahrrad. (Hauptwort ist unbekleidet)

Duden sagt etwas anderes:

  • Präposition mit Genitiv: trotz des Regens
  • Besonders süddeutsch, schweizerisch und österreichisch auch mit Dativ: trotz dem Regen

Okay, das kann ich verstehen. Aber was meint ‘Schreibweise.org’ mit einem ‘bekleideten Hauptwort’?

Vielen Dank im Voraus :smiley:

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Meine Vermutung ist, dass hier eher ein begleitetes Hauptwort gemeint ist. Das Hauptwort (Wetter) wird durch einen Artikel (des) und/oder ein Adjektiv (schlecht) begleitet.
Bei “trotz Regen” steht das Hauptwort ohne Artikel oder Adjektiv und ist daher unbegleitet/unbekleidet.
Ich hoffe das hilft dir weiter. :slight_smile:

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Ein “unbekleidetes Hauptwort” hat weder Artikel noch Attribut. Hier verwendest du den Dativ (3. nv)

Trotz Regen kamen viele Besucher.

Bei einem “bekleideten Hauptwort” verwendest du den Genitiv (2. nv)

Trotz des Regens kamen viele Besucher.

Weihnachtsmarkt Gießen: Trotz Regens viele Besucher.

ist daher falsch, es muss heißen. Trotz Regen (ohne s) viele Besucher.

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Das stimmt. (Wow, Kitty, super gut gemerkt. :+1:)

Außerdem gibt es feste Fügungen (alle im Dativ 3. nv) wie trotzdem, trotz allem, …

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bekleidetes Hauptwort ist schon richtig.

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Und dann auch noch der blöde Plural…:roll_eyes:
„Die deutschen Fälle“

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:smiley: Habe es schon geändert!

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Trotz Regen brannte…

oder

Trotz des Regens brannte… (Würde wohl niemand sagen, eher dann: trotzdem es regnete, brannte…)

Ich sag nur - der Dativ ist dem Genitiv sein Tod… :wink:

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Ok, das hatte ich nur noch nie gehört. :blush:
Ich habe manchmal das Gefühl, dass man die Regeln seiner Muttersprache doch am wenigsten kennt, weil man sie einfach nach Gefühl benutzt.

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Tja, und der Genitiv ist ja auch nicht gerade dem Dativ sein Freund. :wink:

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Diese Regel kennt ja kein Mensch! Ich hätte jeden Meineid geschworen, dass es “trotz Regens” heißt - obwohl ich wahrscheinlich im Gespräch “trotz Regen” sagen würde. Und so eine fürchterliche Sprache willst du lernen, @Kitty? Da hast du dir ja eine Aufgabe gestellt!

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Ich hatte auch immer gedacht, dass ‘trotz Regens’ richtig ist - bis gestern Abend…

Zugegeben, es ist etwas schwieriger als gedacht… :wink:

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'Trotzdem es regnete" begegnet einem in gesprochener Sprache, ist aber trotzdem falsch.
:sunglasses::worried::grin:
Richtig heißt es nämlich: Obwohl es regnete …

Genau: Rettet dem Akkusativ. :sweat_smile:

Ich hab bei italki geguckt:
Inhaltlich gibt es keinen Unterschied. »Obwohl« ist eine (unterordnende) Konjunktion, »trotzdem« in erster Linie ein Adverb. Oft wird »trotzdem« auch als Konjunktion benutzt, das wird aber in der Standardsprache von vielen als falsch empfunden.
– Obwohl es heute regnet, gehe ich joggen. – OK
– Es regnet heute. Trotzdem gehe ich joggen./Ich gehe trotzdem joggen. – OK
– Trotzdem es heute regnet, gehe ich joggen. – nicht allgemein als OK anerkannt

Ich glaube in meiner Region wird da nicht so ein Unterschied gemacht

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Ich möchte Toetje recht geben. Dann noch: Im Widerstreit zwischen Sprachgefühl und Grammatik würde ich mich immer für das Sprachgefühl entscheiden. Das Regelwerk der Grammatik ist der lebendigen Sprache nur übergestülpt. Natürlich gibt es eine wechselseitige Beeinflussung. Den regionalen Unterschieden geht man am besten aus dem Weg, wenn man die Sprachgewohnheit um Hannover zum Maßstab nimmt, weil sich dort nord- und süddeutsche Sprachgewohnheiten am besten durchdringen. Das war immer schon so. Deshalb hat Luther die sächsische Kanzleisprache für seine Bibelübersetzung genommen.
Und noch zum Regen. Was macht Ihr Euch da einen Kopf? Trotz des Regens oder trotz dem Regen…Wenn man die Artikel weglässt, ändert sich an den Endungen nichts. In einer verkürzenden Überschrift würde ich sagen: “Trotz Regens…” Punkt!

Tja Reinhold, genau das ist der Sinn dieses Forums, dessen Teilnehmer sich gerne in individuell unterschiedlichem Maße mit der niederländischen und/oder deutschen Sprache und ihren jeweiligen Feinheiten auseinandersetzen. Es gibt hier eine ganze Menge Leute, die “es ganz genau wissen wollen”. Diese Leute haben sich zum Ziel gesetzt eine Sprache möglichst korrekt zu lernen. Was dann korrekt ist, kann eben nur in einem Regelwerk festgelegt werden.

Deine Meinung respektiere ich, kann sie aber nicht teilen.
Wenn es kein Regelwerk gäbe und jeder seinem persönlichen, vielfach regional geprägten Sprachgefühl den Vorzug geben und die Anwendung von Regeln aus prinzipiellen Gründen ablehnen würde, dann würde die Sprache noch mehr verkommen, als es schon heute der Fall ist und das “Ej-Alder-Niveau” wäre allgegenwärtig.

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Mit dem meisten bin ich einverstanden. Ich will auch auf das Regelwerk nicht verzichten. Ich sprach vom Widerstreit zwischen Sprachgefühl und Regelwerk. Wir Deutsche sind Meister im Ausformen von Regeln. Lernende werden da schnell entmutigt.

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“Trotz Regen” ist in diesem Fall aber das bessere Deutsch, denn bei Substantiven im Singular, die ohne fallanzeigendes Begleitwort stehen, bleibt das Substantiv meist ungebeugt. Also “trotz Regen”.

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Mag sein Saylana. Wir sollten aber nicht vergessen, dass Sprache zunächst dem Informationsaustausch dient. Einfach, klar und Irrtümer vermeidend. Wer das so macht, kann auch ruhig mit Sprache “spielen”. Der hier mehrfach zitierte Albert Einstein schrieb in diesem Sinne ein ganz hervorragendes Deutsch. Ich habe in der Statistik gesehen, dass du ja enorm fleißig bist im Forum. Da komm ich wohl nicht mehr ran.